Ukraine #16: Für die Zukunft sorgen – mitten im Krieg

Angesichts der aktuellen schweren Angriffe auf die Ukraine möchte ich noch einmal von meinem fünften Besuch mit Ermstal hilft berichten. Uns hat damals eine Frage ständig begleitet: Wie gelingt es den Menschen, trotz Krieg füreinander da zu sein? Besonders für Kinder in Kitas und Schulen – und auch in Kliniken. Was wir erlebt haben, war erschütternd und zugleich tief beeindruckend.

Mich hat erneut berührt, wie konsequent die Ukraine ihre Kinder in den Mittelpunkt stellt. In den Kitas gibt es wenig finanzielle Mittel – und doch sind die Räume liebevoll, farbenfroh und kindgerecht gestaltet. Man spürt sofort: Kinder gelten hier als Zukunft. Sie werden mit großer Aufmerksamkeit, Wärme und Fürsorge begleitet – trotz der ständigen Bedrohung.

Für einen Kindergarten konnte Ermstal hilft Sportausrüstung finanzieren. Es war schön zu sehen, wie konkret unsere Unterstützung bei den Kleinsten ankommt. Bewegung, Spiel und ein Stück Normalität sind für Kinder in Kriegszeiten unglaublich wichtig.

Auch in den Schulen wurden wir überall sehr herzlich empfangen. Die Klassenräume sind bunt, freundlich und auf Kinder ausgerichtet. In allen Schulen gibt es Psychologinnen und Psychologen – schon vor dem Krieg, heute unverzichtbar. Unterricht findet nur noch in Schulen mit Bunker oder ausreichendem Schutz statt. Deshalb werden Kinder aus anderen Orten abgeholt, und vielerorts läuft der Schulbetrieb in zwei Schichten.

Für ältere Schüler:innen gehören Inhalte zum Alltag, die kaum zu begreifen sind: Notfallversorgung, Verhalten bei Angriffen, das Erkennen von Minen. Denn inzwischen werfen Shahed-Drohnen sogar Minen ab. Diese Themen sind Teil des Schulunterrichts – kaum vorstellbar und doch bittere Realität.

Kliniken unter Kriegsbedingungen

Wir besuchten auch Kliniken – eine in Ismajil und das Kreiskrankenhaus in Mykolajiw. Dort schilderte die Leiterin eindrücklich, wie sie und ihr Team unter Kriegsbedingungen arbeiten. In Mykolajiw mussten Kriegsverletzte behandelt werden, weil zu Beginn des russischen Angriffskriegs russische Truppen zeitweise direkt an der Stadtgrenze standen – teils sogar in Randbereichen der Stadt.

Die Leiterin erzählte mit Stolz, dass alle 44 Ärztinnen und Ärzte sowie 92 Pflegekräfte geblieben sind. Besonders unter die Haut ging mir ihre Schilderung, wie unvorbereitet sie auf Kriegsverletzungen waren. Darauf wird niemand im Studium vorbereitet. Und doch ist es heute Alltag. Auch dieses Krankenhaus konnte Ermstal hilft unterstützen – unter anderem mit dringend benötigten Nachttischen.

Vor dem Hintergrund all dieser Besuche ging mir noch ein anderes Thema besonders nahe: die Bunker. Überall wurden sie uns gezeigt. Immer wieder Bunker. Sie gehören zum Alltag – in Kitas, Schulen, Kliniken, öffentlichen Gebäuden. Ich habe selbst Schutzräume erlebt, etwa in Hotels. Aber wie muss es sein, so oft dorthin zu müssen – und was bedeutet das erst für Kinder, für die das Teil ihres Alltags geworden ist?

Mich berührt zutiefst, mit welchem Engagement und welcher Verantwortung diese Menschen in Kriegszeiten für andere da sind – für Kinder, für Kranke, für ältere Menschen. Sie sorgen, schützen, begleiten. Dafür empfinde ich großen Respekt. Und es bestärkt uns darin, mit Ermstal hilft weiter solidarisch an ihrer Seite zu stehen.